Was hat Sie zur Kreation von Tonka Kumaru inspiriert?
Tonka Kumaru entstand aus dem Wunsch, die Tonkabohne zu erforschen, einen außergewöhnlich faszinierenden Rohstoff, der für seine olfaktorische Tiefe und Reichhaltigkeit bekannt ist. Gleichzeitig ist es eine Zutat mit sehr persönlicher Bedeutung für mich. Ihr Duft ruft unmittelbar eine präzise Kindheitserinnerung hervor: den Geruch von "Cléopâtre“-Kleber – einem in Frankreich ikonischen Schulkleber, dessen weiche, leicht mandelartige Note vielen Kindern vertraut ist. Dieser zarte, vertraute Duft hat mich nie losgelassen.
Mit Tonka Kumaru wollte ich diese intime olfaktorische Erinnerung in eine zeitgenössische Form überführen – in eine elegante, strukturierte und vielschichtige „Gourmandise für Erwachsene“. Ziel war es, die emotionale Essenz dieser Erinnerung zu bewahren und sie gleichzeitig in eine raffinierte Interpretation zu überführen, die dem Ansatz von Atelier Materi treu bleibt.
Wie haben Sie die Hauptzutaten für diesen Duft ausgewählt?
Die Idee war, die Tonkabohne in all ihren Facetten zu erforschen. Die Tonkabohne ist beinahe ein Duft für sich selbst: ein äußerst ausdrucksstarker Rohstoff mit holzigen, balsamischen, vanilligen und mandelartigen Nuancen sowie Anklängen von Tabak und Heu.
Gemeinsam mit der Parfümeurin Céline Perdriel haben wir die Komposition um Ingredienzen aufgebaut, die mit diesen Facetten in einen Dialog treten und sie hervorheben. Bittermandel, Kardamom, geröstete Gerste, Heu, Vanille und Amber – jede dieser Noten verstärkt eine bestimmte Dimension der Tonkabohne, ohne sie jemals zu überdecken. Dieses fein austarierte Gleichgewicht lässt ihre Komplexität und Tiefe Schritt für Schritt hervortreten.
Auch Moschus spielt eine zentrale Rolle in der Komposition. Er verleiht dem Duft eine weiche, umhüllende, fast taktile Textur und verlängert das Gefühl von Geborgenheit, das die Tonkabohne auslöst. Gleichzeitig schafft er eine hautnahe, sinnliche und elegante Präsenz – ein typisches olfaktorisches Signaturmerkmal von Atelier Materi.

Welche Rolle spielt Tonka in diesem Duft und warum steht sie im Mittelpunkt?
Die Tonkabohne ist das Herz von Tonka Kumaru, das Element, das dem Duft seine Struktur und Identität verleiht. Mehr als nur eine einzelne Note wird sie zur Seele der Komposition: Sie verbindet alle anderen Materialien miteinander und schafft ein Gleichgewicht zwischen Gourmandise und Eleganz.
Wir haben sie bewusst hervorgehoben, weil sie den Geist von Atelier Materi verkörpert: ein singuläres, ausdrucksstarkes Material, das Erinnerungen wecken kann und zugleich modern und raffiniert bleibt. Die Tonkabohne verleiht dem Duft seine Präsenz und seine unmittelbar erkennbare Signatur.
Wie spiegelt sich die Bretagne, oder Ihre persönliche Welt, in Tonka Kumaru wider?
Die Bretagne ist tief in meiner persönlichen Welt verankert und prägt die Identität von Atelier Materi ganz natürlich. Es ist eine Region von roher, authentischer Schönheit – nie überladen, sondern geprägt von Natur, die sich mit Kraft und Einfachheit ausdrückt. Diese Verbindung zu Landschaft, Elementen und einer langsamen Zeit beeinflusst meine Art, Parfums zu denken: Kreationen, die die Präzision der Rohstoffe, die Tiefe der Empfindungen und eine diskrete, sensible und nachhaltige Form von Luxus in den Vordergrund stellen.
Diese Mischung aus Stärke und Sanftheit, Strenge und Poesie liegt im Zentrum meines Ansatzes. Sie bestimmt die Auswahl der Zutaten, die Struktur der Düfte und die Art, wie sich jede Komposition entfaltet , präsent, raffiniert und ohne künstliche Effekte.
Man spürt diese Handschrift auch in Tonka Kumaru. Die Hinzufügung einer Heu-Note verstärkt diese Dimension und erinnert an die rohe, wilde Natur der Bretagne, vom Wind und Licht geformt. Gleichzeitig ruft sie einfache, essentielle Kindheitserinnerungen hervor. Heu interagiert auf natürliche Weise mit Tonka und Moschus und schafft eine warme, umhüllende Präsenz – roh und zugleich elegant, zeitgemäß und dem Geist von Atelier Materi treu.

Was unterscheidet Tonka Kumaru von Ihren anderen Kreationen?
Tonka Kumaru zeichnet sich durch seinen deutlich gourmandigeren Charakter aus. Der Duft erkundet eine rundere, wärmere und umhüllendere Facette meiner olfaktorischen Handschrift, bleibt dabei jedoch der Balance und Präzision der Materialien treu, die Atelier Materi definieren. Die Tonkabohne verleiht ihm eine besonders reichhaltige, sinnliche Textur, die durch Bittermandel, geröstete Gerste, Vanille und Moschus verstärkt wird und ein Gefühl von Weichheit und Tiefe verlängert.
Das Ergebnis ist eine großzügigere Sillage, die dennoch eine diskrete Eleganz und natürliche Raffinesse bewahrt. Mit Tonka Kumaru wollte ich einen Duft schaffen, der zugleich tröstlich und zeitgenössisch wirkt, eine Weiterentwicklung der Kollektion, die gleichzeitig ein neues Ausdrucksgebiet eröffnet.
Die Spannung zwischen Rohmaterialien und zarten Noten ist ein Markenzeichen der Maison. Wie zeigt sich diese Dualität in Tonka Kumaru?
Der Kontrast steht im Zentrum jeder Kreation von Atelier Materi. In Tonka Kumaru zeigt sich diese Dualität auf mehreren Ebenen: Die weiche, umhüllende Tonkabohne steht im Dialog mit trockeneren, strukturierten Materialien wie Heu und gerösteter Gerste. Dadurch entsteht ein Gleichgewicht zwischen Gourmandise und Mineralität, zwischen Komfort und Struktur.
Moschus verstärkt diese subtile Spannung: Er bringt eine warme, taktile Präsenz ein und lässt gleichzeitig Raum, sodass der Duft atmen kann und seine zurückhaltende Eleganz bewahrt. Dieses Zusammenspiel aus Weichheit und Stärke, Rundheit und Textur macht Tonka Kumaru zugleich sinnlich und zeitgenössisch, und überrascht durch seine raffinierten Kontraste.
Wenn Tonka Kumaru ein Kunstwerk wäre?
Wäre Tonka Kumaru ein Designobjekt, dann wäre es eine skulpturale, rein weiße Keramikform, auf den ersten Blick schlicht, doch mit einer verborgenen Tiefe, die sich erst nach und nach offenbart. Ihre matte, samtige Oberfläche würde zum Berühren einladen; jede Geste würde subtile Variationen von Licht und Textur sichtbar machen, wie ein Atem, der unter den Fingerspitzen lebendig wird.
Wie der Duft selbst verbindet sie Präsenz und Zartheit, Geborgenheit und Raffinesse und lädt dazu ein, ihre Nuancen langsam zu entdecken und ihre ganze Komplexität wahrzunehmen.
Drei Worte, um Tonka Kumaru zu beschreiben
Süchtig machend, tröstlich, sinnlich.